Am 23.11.1996 stand das heutige Ottobrunner Phönixbad in Flammen. Eine Erinnerung an den Großbrand

Am letzten Freitag eines Monats blicken wir zurück auf ein Ereignis aus der Geschichte der Ottobrunner Feuerwehr. Fast auf den Tag jährt sich der Großbrand des Hallenbades. Der damalige Kommandant Erwin Ettl erinnert sich an seine ersten Gedanken vor 25 Jahren: „Als wir ausrückten, wussten wir noch nicht, wo es brennt. Erst als wir ankamen, sahen wir: es ist das Hallenbad! Und schlagartig fielen mir die Einsatzberichte ein, die ich in Fachzeitschriften von Hallenbadbränden gelesen hatte. In jedem war vom Totalverlust die Rede.“ Aber es gelang den 181 Einsatzkräften von vier Feuerwehren, die Vereinsräume des Schwimmvereins, die Schwimmmeisterwohnung und große Teile des erst kurz zuvor erneuerten Technikbereich zu retten. Das bot die Grundlage für den Wiederaufbau als „Phönixbad“. Was wie ablief beschreibt der damals von Schriftführer Klaus Fischer verfasste Bericht, den wir hier unverändert vorstellen:

Das Einsatzobjekt

Das Hallenbad, ein Besuchermagnet im Sportpark Ottobrunn, wurde 1976 eröffnet. Außer einem großen 25 Meter-Becken, einem Springerbecken und einem Kinderplanschbecken konnten sich die SchwimmerInnen an einem Warmwasser-Außenbecken erfreuen. Weitere Entspannungsmöglichkeiten bot die Sauna. Zum Hallenbad gehören auch umfangreiche Technikräume, die zumeist im Keller gelegen sind, Eingangshalle mit Kasse, Umkleiden und eine Schwimmmeisterwohnung. Anschließend an das Schwimmvergnügen bot sich der Besuch einer Pizzeria an. Eine große Glasfront ermöglichte den Gästen von dort den Ausblick in die Schwimmhalle. Benachbart zum Hallenbad steht die Mehrzweckhalle. Verbindungen bestehen im Kellergeschoß und durch einen überdachten Verbindungsweg. Erreichbar ist das Sportzentrum über die Straße „Haidgraben“. Die Gebäuderückseite und der Innenhof zwischen Hallenbad, Mehrzweckhalle und Stadion sind über befestigte Wege erreichbar.

Die Alarmierung

Die erste Meldung stammte von einem Autofahrer auf der Autobahn, der eine starke Rauchentwicklung am Ortsrand sichtete. Die Örtlichkeit konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Da sich im Bereich des Haidgraben außer dem Sportpark Ottobrunn auch eine Betriebs-Tennisanlage befindet, die auf Taufkirchner Flur liegt, erfolgte zwischen 6.47 und 6.50 Uhr die Alarmierung für die FF Taufkirchen und FF Ottobrunn.

Ab 6.53 Uhr rückte der Löschzug der Ottobrunner Feuerwehr (Kdow, TLF 16, DLK 23-12 nB, LF 16 TS) aus, dem in schneller Folge sämtliche weitere Fahrzeuge folgten (ZB 6, TroTLF 16, RW 2, SW 1400, KLAF, MZF). Die weithin sichtbare starke Rauchentwicklung wies den Einsatzkräften den Weg. Erst mit dem Eintreffen des ersten Fahrzeuges war klar, welches Objekt in Brand stand: das Hallenbad.

So beinhaltete die erste Rückmeldung von Einsatzleiter Kommandant Erwin Ettl die Angaben: Hallenbad in Brand; offenes Feuer erkennbar; Nachalarmierung der Feuerwehren Neubiberg und Unterhaching; Information der Führung der Kreisbrandinspektion und der Bürgermeisterin Frau Prof. Dr. Kudera.

Der Einsatzablauf

Die Lagererkundung ergab einen Vollbrand im Bereich der Pizzeria-Gaststätte, die Ausbreitung in die Dachkonstruktion der Schwimmhalle schien bereits erfolgt. Während TLF 16 und DLK 23-12 nB über die Buswendeschleife am Haidgraben angefahren waren und von dort aus den Innenangriff die Treppen hoch und quer über den Innenhof zur Pizzeria aufbauten, entwickelten die anderen Ottobrunner Fahrzeuge ihren Angriff vom Innenhof aus. In schneller Folge kamen mehrere C-Rohre, ein B-Rohr und von der Drehleiter aus das Wenderohr zum Einsatz. Wegen der ungenügenden Reichweite der Strahlrohre auf die inzwischen in Brand stehende Dachkonstruktion der Schwimmhalle, erfolgte die Verlegung von einem B- und mehreren C-Rohren auf das Flachdach über der Eingangshalle, den Umkleiden und der Pizzeria. Ziel war die Unterbindung der Brandausbreitung in der Dachkonstruktion und die Abriegelung der Schwimmmeisterwohnung.

Parallel dazu lief der Innenangriff von zwei Seiten: zum einen durch den Restauranteingang in die brennende Pizzeria, zum andern per Schwimmbadeingang in den Kassenraum. In der abgehängten Deckenkonstruktion, den Leitungs- und Lüftungskanälen hatte sich das Feuer aber rasant im Deckenbereich ausgebreitet. Somit war dem Innenangriff kein schneller Erfolg mehr beschienen. Herabbrechende Bauteile sowie abtropfender flüssiger Teer der Bedachung gefährdeten hingegen die eingesetzten Kameraden, so dass der Innenangriff zeitweise aus Sicherheitsgründen zurückgenommen werden musste. Aus gleichem Grund wurde der Bewegungsbereich der auf dem Flachdach tätigen Trupps eingeschränkt. Mit starker Flammenbildung durchbrennende Lichtkuppeln gaben eindrückliche Hinweise, zu welchem Raum sich das Feuer gerade ausgebreitet hatte.

Mit einem C- und einem B-Rohr bekämpften Einsatzkräfte auf dem Flachdach des Kassenbereichs und des (damals noch vorhandenen) Verbindungsbau zur Mehrzweckhalle den Brand. Die Flammen aus einer Lichtkuppel im Hintergrund zeigen, wohin sich das Feuer ausbereitete.

Die FF Taufkirchen bezog ihren eigenen Brandabschnitt am Außenbecken. Über Wenderohr der Drehleiter, Wasserwerfer vom TLF 16 und C-Rohre bemühten sich die Kameraden, die Brandausbreitung auf dieser Seite des Gebäudes aufzuhalten. Dazu stand ihnen mit dem Warmwasser-Außenbecken eine leistungsfähige Wasserversorgung bereit. Die FF Unterhaching unterstützte mit dem Wenderohr ihrer Drehleiter den Löschangriff im Taufkirchner Abschnitt. Die FF Neubiberg kam auf der südlichen Seite zur Unterstützung der Ottobrunner Kräfte zum Einsatz und hatte ihren Auftrag in der Bekämpfung des Brandes in der Dachkonstruktion. Der Dachaufbau des Hallenbades bestand mehrheitlich aus Holzbindern. Hinter der Fassadenverkleidung aus Kupferblechtafeln konnte sich das Feuer fast ungehindert ausbreiten. Um den Brand abzulöschen, war deren Demontage erforderlich – eine mühsame, zeitraubende Arbeit, die zum Teil von den Drehleitern aus erfolgte.

Die Drehleiter der FF Taufkirchen steht am Außenbecken um die Kupferblechverkleidung der Schwimmhalle zu entfernen. Der Atemschutztrupp auf dem Balkon geht in die Pizzeria vor. (FireFOTO)

Mit nachlassender Brandintensität wurde das Betreten der Schwimmhalle möglich. Große Holzteile der Deckenkonstruktion waren brennend herabgestürzt und bedeckten das Springerbecken sowie große Teile des großen Schwimmbeckens. Begehbare Flächen, Beckenränder und schuttbedeckte Wasserflächen ließen sich kaum unterscheiden – eine sehr gefährliche Situation für die dort eingesetzten Kameraden. Im Innenangriff kamen ein B-Rohr und ein C-Rohr zum Einsatz.

In der Schwimmhalle fielen Teile der Dachverkleidung herunter und schwammen in den Becken. Wo sicherer Weg und wo ein Schritt weiter die große Gefahr des Sturzes ins Wasser war, ließ sich nicht mehr erkennen. (FireFOTO)

Die starke Rauchentwicklung bedingte, dass der größte Teil der Kameraden an den Strahlrohren mit Pressluftatmer geschützt arbeiteten. 36 Atemschutzgeräte atmeten die Ottobrunner Kameraden leer. Viele von ihnen trugen die Geräte mehrfach. Auch die Kameraden außerhalb des Gebäudes, insbesondere im Innenhof, waren mehrfach veranlasst, zu ihrem Schutz vor Rauchgasen die Schutzmaske mit Filter aufzusetzen. Die Gefahr der Ausbreitung gesundheitsgefährdender Stoffe ging nicht nur von den Brandgasen, sondern auch von den im Schwimmbad gelagerten betriebserforderlichen Chemikalien aus. Besonders sind hier Chlor und Reinigungsmittel zu nennen. Um eventuelle Gefahren rechtzeitig zu erkennen, wurde der ABC-Zug München-Land alarmiert. Dieser führte sowohl im Innenbereich als auch in der abziehenden Rauchwolke Schadstoffmessungen durch. Die Ergebnisse waren jedoch nicht besorgniserregend, so dass eine Warnung der Bevölkerung unterbleiben konnte. Dazu beigetragen hat auch die westliche Windrichtung, die die Qualmwolke über das freie Feld in Richtung Fliegerhorst trieb.

Die Rauchentwicklung war enorm. Deshalb verließ die links mit einem C-Rohr löschende Einsatzkraft, die Maske mit Filter trug, kurz nach der Aufnahme seinen Posten auf dem Dach.

Mit zunehmender Zeitdauer verlagerte sich der Einsatzschwerpunkt in das Kellergeschoß, denn durch den massiven Löschwassereinsatz liefen die Technikräume voll Wasser. Um unnötige Folgeschäden zu vermeiden, kam dort eine TS 8/8 in Stellung, die die Schächte auspumpte. Da eine Prüfung des Löschwassers auf Schadstoffe eine unbedenkliche Belastung zeigte, konnte dieses direkt in die Kanalisation hineingepumpt werden.

Stück für Stück lösten sich gegen Mittag die Nachbarfeuerwehren aus dem Einsatzgeschehen heraus. Jetzt bestand auch die Möglichkeit, dass sich die Kameraden im Tagungsraum der benachbarten Mehrzweckhalle aufwärmen und Getränke sowie eine erste Brotzeit erhielten.

Die 181 Einsatzkräfte aus vier Feuerwehren setzten ein: 18 C-Rohre, 5 B-Rohre, 3 Wenderohre, 1 Wasserwerfer, 73 Atemschutzgeräte, 2 Tragkraftspritzen, 3 Drehleitern, 14 tragbare Leitern, 4 Be- und Entlüftungsgeräte, 7 Stromerzeuger.

Nachfolgende Maßnahmen

Mit Beendigung der Brandbekämpfung begann für die FF Ottobrunn der Rückbau und das große Aufräumen der an der Einsatzstelle benötigten Geräte. Nach einer kurzen dankenden Ansprache von Kommandanten Ettl wurde eine Gruppe als Brandwache eingeteilt. Am Abend erfolgte eine nochmalige Alarmierung, weil im Restaurantbereich wieder einzelne Glutnester aufflackerten. Mit einem C-Rohr unter Atemschutz waren auch diese Brandstellen schnell abgelöscht.

Im Zuge der Abbrucharbeiten der Hallenkonstruktion fielen für die beiden hauptberuflichen Gerätewarte der FF Ottobrunn einige zeitraubende Einsätze an: sie stellten bei Schweißarbeiten eine Brandsicherheitswache.

Anmerkungen und Erfahrungen

  • Engagierte Arbeit aller Kameraden und die enge kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren ermöglichte bei dem größten Brand in Ottobrunn seit 1984 (eine Lagerhalle an der Siemensstraße), dass ein Teil der Anlage erhalten geblieben ist: die Vereinsräume des Schwimmvereins, die Schwimmmeisterwohnung und große Teile der Technik konnten vor der Vernichtung bewahrt werden.
  • Das Wetter war sonnig, jedoch von Minusgraden gekennzeichnet. Ihre große Bewährungsprobe hat dabei die im Jahr zuvor von der Ottobrunner Feuerwehr selber entwickelte und von der Gemeinde angeschaffte Schutzkleidung bestanden. Denn viele Kameraden wurden von verirrten Löschwasserstrahlen angespritzt und blieben trotzdem trocken, während die Lungenautomaten der Pressluftatmer Eisansatz zeigten.
  • Die Brandbekämpfung erfolgte unbehindert von Schaulustigen, denn die Polizei sicherte den Bereich mit umfangreichen Kräften weiträumig ab und sperrte den Haidgraben für den Straßenverkehr.
  • Eine Alarmierungsuhrzeit an einem Samstagmorgen, zu der viele Kameraden noch nicht gefrühstückt hatten, sowie unangenehme Temperaturen machten eine rasche Versorgung mit wärmenden Getränken und Brotzeit erforderlich. Hier wurden von sich aus einige Ehefrauen, Freundinnen und Kinder von Feuerwehrangehörigen tätig. Auch die Gemeinde organisierte schnellstmöglich für alle Einsatzkräfte eine Verpflegung.
  • Wenn auch die Statistik von 61 eingesetzten Ottobrunner Feuerwehrkameraden spricht, waren nicht alle direkt an der Einsatzstelle zugegen. Im Gerätehaus versammelte sich innerhalb kurzer Zeit eine arbeitsame Gruppe, die sich um den Materialnachschub und die Instandsetzung der von der Einsatzstelle zurückkommenden Geräte kümmerte. Schlauchpflege und Wartung der Atemschutztechnik konnte so bereits während des Einsatzes anlaufen und brauchten nicht am Samstag Abend langandauernd durchgeführt werden.
  • Der Rettungsdienst war mit Einsatzleitdienst, Notarzt und 2 RTW (JUH Ottobrunn und WF DASA Ottobrunn) vor Ort. Einerseits, um im Einsatz verunglückten Kameraden zu helfen, anderseits, um im Fall einer Gefährdung der Bevölkerung durch Rauchgase und Chemikalien präsent zu sein. Beide Fälle waren zum Glück nicht erforderlich.
  • Der Großbrand übte eine starke Anziehungskraft auf die Medien aus. Zusätzlich zu den Zeitungsphotographen machten zwei Fernsehteams Aufnahmen und interviewten den Einsatzleiter.
  • Bereits sehr frühzeitig erkannte der Einsatzleiter die Notwendigkeit der Anwesenheit von Fachpersonal aus der Gemeindeverwaltung. Die Bauakten wurden daher am Samstag Vormittag mit einem Feuerwehrfahrzeug aus dem Rathaus geholt. Der Bauhof übernahm das Abstreuen der sich bei den tiefen Temperaturen immer wieder bildenden Glatteisflächen und im Anschluss an die Brandbekämpfung die Sicherung der Einsatzstelle.

Bürgermeisterin Prof. Dr. Kudera bedankte sich kurz nach dem Ereignis im Namen der Gemeinde bei allen eingesetzten Feuerwehrkameraden und Hilfsorganisationen mit einem offenen Brief, der in einem Wochenblatt veröffentlicht wurde.

Zeittafel

06.47 – 12.05 Einsatz FF Taufkirchen
06.50 – 16.28 Einsatz FF Ottobrunn
06.55 – 12.15 Einsatz FF Unterhaching
06.55 – 12.34 Einsatz FF Neubiberg
07.04 Eintreffen der 1. Bürgermeisterin Prof. Dr. Sabine Kudera
08.01 – 10.37 Einsatz ABC-Zug München-Land
08.10 ELW 2 der Kreisbrandinspektion betriebsbereit
08.46 Feuer in Gewalt
09.57 Sicherheitsabstellung des Rettungsdienstes wird auf 1 RTW reduziert
10.07 Feuer aus
20.36 – 21.25 Einsatz FF Ottobrunn wegen Wiederaufflammen im Bereich der Gaststätte

Fotos aus dem Archiv der FF Ottobrunn und dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von FireFOTO Thomas Gaulke.

Blick aus der Pizzeria auf die Schwimmhalle nach Abschluss der Brandbekämpfung. Die hölzerne Dachkonstruktion war abgestürzt und bedeckte die Schwimmbecken.

Nachlöscharbeiten im Inneren der Schwimmhalle mit einem C-Rohr. Links vom Trupp erkennbar einer der Startblöcke (Nr. 6). Bei jedem Schritt mussten die Einsatzkräfte aufpassen, dass sie auf sicherem Boden standen. (FireFOTO)

Am 23.11.1996 stand das Hallenbad Ottobrunn in Brand. 181 Feuerwehrleute von vier Wehren verhinderten den Totalverlust und ermöglichten so den Wiederaufbau. 1999 eröffnete es wieder mit dem bezeichnenden Namen „Phönixbad“. (FireFoto)