Einsatzbereit für den Schutz der Ottobrunner Mitbürger seit 1914
2026 feiert die Ottobrunner Feuerwehr einige Jubiläen. Im Lauf des Jahres stellen wir Ihnen diese auf unserer Homepage vor. 112 lautet die Notrufnummer und ist daher eine symbolträchtige Zahl bei den Feuerwehren. Vor 112 Jahren, am 14. Juni 1914, gründeten die Bewohner in Ottobrunn eine Feuerwehr und damit den wohl ältesten Verein. Offiziell trägt das Gebiet der damaligen drei Waldsiedlungen „Ottokolonie“, „Ottohain“ und „Parkkolonie“ erst seit 1921 den Namen „Ottobrunn“. Eigenständige Gemeinde ist Ottobrunn seit 1955. Daher ein Rückblick auf die ersten Jahrzehnte der Geschichte der Wehr.
Mit seiner sehr jungen Siedlungsgeschichte – das Waldschlösschen steht seit 1902 als ältestes Gebäude und als Wirtschaft an der Rosenheimer Landstraße – und der zweithöchsten Besiedelungsdichte aller deutscher Städte und Gemeinden kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie Ottobrunn vor Jahrzehnten ausgesehen hat. Im Heimatbuch des Landkreises München stand 1961 zu lesen: „Ottobrunn ist eine typische Waldsiedlung. Der Wald umschließt es von allen Seiten, er schiebt sich zwischen ihre Straßen und Wege, er behauptet letzte Reste inmitten der Gärten, er grüßt durch die Fenster der Schulen und Kirchen.“ Damals zählte Ottobrunn etwa 7000 Einwohner, heute sind es mehr als dreimal so viele.
Rückblick auf den Winter 1913/1914: Der Schreckensruf „Feuer“ gellte durch die Winternacht. Am Waldschlösschen brannten die Kegelbahn und weitere Anbauten. Davon aufgeschreckt trafen sich im Frühjahr 1914 einige der Kolonisten, um über den Aufbau einer Feuerwehr zu beraten. In der jungen Ansiedlung bestand eine hohe Brandgefahr, weil die meisten Gebäude aus Holz errichtet worden waren. Da das Elektrizitätsnetz erst im Aufbau begriffen war, wurde zumeist mit Holz und Kohlen geheizt und gekocht. Zur Beleuchtung dienten Petroleumlampen. Etwa 100 Menschen mögen damals verstreut auf dem heutigen Gemeindegebiet gewohnt haben. Um die Siedlungstätigkeit voranzutreiben, bedurfte es tatkräftiger und vorausschauender Persönlichkeiten wie den Tiefbauunternehmer Hans Kress. Er war die treibende Kraft bei der Gründung der Freiwilligen Kolonistenfeuerwehr am 14. Juni 1914.
Aufzeichnungen der Gründungsversammlung oder der Aktivitäten in den ersten Jahren liegen keine vor. 1931 listete man in einem Protokoll aus der Erinnerung auf, wer zur Gründung der Wehr angehört haben soll. An diese Pioniere des Ottobrunner Brandschutzes erinnert die Gedenktafel, die 2010 im Rahmen des Neubaus der Fahrzeughalle enthüllt wurde.

Jeder Spaziergänger auf der Ottostraße kann auf der Tafel an der Wand der Fahrzeughalle die Namen zum Gedenken an die Gründer der FF Ottobrunn und der verstorbenen Kameraden lesen.
Mit einer Schauübung trat die junge Wehr erstmals bei der Einweihung des Wasserwerks in der Prinz-Otto-Straße am 28.6.1914 vor die Öffentlichkeit. Zwei Steckleiterteile und zwei Schlauchwagen mit zusammen 150 Meter Schlauch sollen die dürftige Ausstattung gewesen sein. Diese befand sich anfangs in einem Geräteschuppen auf dem Grundstück der Familie Kress in der Prinz-Otto-Straße. Bald kam eine kleine tragbare Handdruckspritze dazu, die die Gemeindeverwaltung in Unterhaching zur Verfügung gestellt hatte. Dieses war ein kleiner Bottich mit einem Messingzylinder für die Pumpe. Der gleichmäßige Wasserdruck im Leitungsnetz machte ihren Gebrauch nach der Installation von Hydranten überflüssig. Nach Erinnerungen erlebte sie 1928 ihren letzten Einsatz beim Großbrand der Gaststätte „Leiberheim“ in Waldperlach.
Vermutlich unterbrach der Ausbruch des 1. Weltkrieges im Sommer 1914 die Aktivitäten der soeben gegründeten Wehr. Bei einem Feuer hat in der jungen Siedlung aber sicher jeder geholfen, egal ob er offizielles Mitglied der Wehr war oder nicht. Einen Neubeginn gab es im Herbst 1919 mit dem Eintritt von 25 Männern. 1921 erhielt ein Teil der Wehrmänner erstmalig eine bescheidene Ausrüstung. Aus Heeresbeständen konnten gebraucht 20 Lederhelme, 40 Lederriemen, sechs Steigergurte, sechs Steigerbeile und eine Feuerhacke erworben werden. Wenige Jahre später ging an die beiden Ottobrunner Schneider der Auftrag, eine Uniform anzufertigen, um alle Kräfte einheitlich einzukleiden.

Übung mit dem Handwagen mit Schläuchen und den Hydranten in den 1920er Jahren auf der Rosenheimer Landstraße vor dem Waldschlösschen.

Einige aktive Mitglieder aufgenommen um das Jahr 1928. Vorne in der Mitte mit Schirmmütze der Steigerzugführer Konrad Bachmann, der Kommandant Kassian Gassner und der Kassier Anton Oswald.
Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Wehr waren die Jahre 1926 bis 1929. Auf einem von Hans Kress gestifteten Grundstück an der Kreuzung der Jahnstraße mit der Rosenheimer Landstraße errichtete die Gemeinde Unterhaching das erste Gerätehaus. Dort fand sie ihre Heimat bis 1971. Nun war Platz für eine bessere Ausrüstung. 1927 lieferte Magirus eine Leiter mit 12 Meter Steighöhe, die auf ihren großen Holzrädern zum Einsatzort geschleppt werden konnte. Auf das Dach des Waldschlösschens kam die erste Sirene. Die Hornisten, die bislang Alarm blasend durch die Straßen radelten, hatten ausgedient.

Von 1926 bis 1971 diente dieses mehrfach umgebaute Gebäude an der Jahnstraße der Feuerwehr als Gerätehaus. Anschließend parkte darin die Johanniter-Unfall-Hilfe einige Jahre lang den Rettungswagen. Bis zum Abriss im Jahr 2003 nutzte es der Bauhof als Lager. An dieser Stelle befindet sich heute eine Tiefgaragenabfahrt.

Der Steigertrupp auf der Leiter im Jahr 1932. Ganz oben Karl-Heinz Strohbach, der spätere Kommandant von 1962 bis 1965.
Sorgen bereiteten die langen Anmarschwege bei der lockeren Bebauung mitten im Wald. Ende der 1920er Jahre wohnten um die 700 Personen in etwa 150 Gebäuden verstreut auf einer Fläche, die größer war als die Münchner Altstadt. Um auf den schlechten Wegen bei einem Brand rechtzeitig an eine Einsatzstelle zu gelangen, musste ein Kraftfahrzeug her. 1928 erwarb man von der Post einen ausgemusterten MAN-Omnibus und baute ihn in Eigenarbeit um. Somit dürfte Ottobrunn die zweite motorisierte Feuerwehr im Bereich des heutigen Landkreises München gewesen sein. Zugleich beschaffte die Wehr eine motorangetriebene Tragkraftspritze. Das Bezirksamt wies aber den von der Regierung in Aussicht gestellten Zuschuss von 40 Prozent der Anschaffungskosten ab, weil die Wehr voreilig gehandelt hatte. Die Bestellung war ohne Zustimmung der Gemeindeverwaltung und des Bezirksvertreters erfolgt. Damit die Wehr die Rechnung zahlen konnte, stellte ein Gründungsmitglied einen höheren Geldbetrag zur Verfügung, der Kommandant haftete persönlich dafür, und die Wehr zahlte das Darlehen über mehrere Jahre in kleinen Raten zurück. Die Pumpe steht heute in der Eingangshalle des Gerätehauses und erinnert an die Anfänge des Feuerlöschwesens in Ottobrunn.

Als Mitte der 1930er Jahre die Glocken für die 1937 eingeweihte Kirche St. Otto eintrafen, begleitete die Feuerwehr den Festzug.

Mannschaft vor dem aus einem MAN Postbus selber umgebauten Einsatzfahrzeug. Das Foto entstand um 1938, weil die Männer die Uniform der Feuerschutzpolizei tragen.
So ausgestattet versahen die Ottobrunner Wehrmänner ihren Dienst bis Mitte der 1940er Jahre. Mit den Herausforderungen und den neuen Aufgaben aus der intensiven Siedlungstätigkeit in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg, der Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben und der Eröffnung des Autobahnrings A99 ist die Feuerwehr immer mitgewachsen zum Schutz ihrer Mitbürger.
In den 112 Jahren standen 17 Kommandanten an der Spitze der Wehr. Ob diese Zahl zutreffend ist, ist ungewiss, denn für den Zeitraum 1914 bis 1922 gibt es keine lückenlosen Aufzeichnungen. Kommandant mit der längsten Amtszeit ist Eduard Klas, nämlich seit 2003. Er ist der Enkel des Feuerwehrgründers Eduard Klas, der die Wehr von 1946 bis 1949 führte. 14 Namen sind als Vereinsvorstände verzeichnet, wobei für die ersten Jahre der Wehr dazu Unterlagen fehlen und die Feuerwehrvereine um 1937 durch Eingliederung in die Feuerschutzpolizei ihre Tätigkeit beenden mussten. Ab der Nachkriegszeit kümmerten sich die Kommandanten in Personalunion um die Vereinsangelegenheiten bis zur Wiedergründung der Feuerwehrvereine zur Mitte der 1980er Jahre in Folge einer Änderung des Feuerlöschgesetzes. Klaus Ortmeier ist der Vereinsvorsitzende mit der längsten Amtszeit. Er hat im Frühjahr 2026 nach 28 Jahren das Amt in jüngere Hände übergeben.