Seit dem 9. Juni 2006 leisteten die First Responder 5956-mal schnelle erste medizinische Hilfe
2026 feiert die Ottobrunner Feuerwehr einige Jubiläen. Im Lauf des Jahres stellen wir Ihnen diese auf unserer Homepage vor. Seit 20 Jahren gehören die beiden First Responder-Fahrzeuge der Ottobrunner Feuerwehr zum Ortsbild. Rund um die Uhr stehen ehrenamtlich und unbezahlt zwei Einsatzkräfte bereit für diese verantwortungsvolle Aufgabe.
First Responder bedeutet schnelle Hilfe bei medizinischen Notfällen. Je früher eine Ersthilfe greift, umso mehr steigen die Überlebenschancen bei lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen. Bei Abwesenheit der ortsansässigen Rettungsdienstkräfte wegen eines anderen Einsatzes oder bei einem erhöhten Anfall von Verletzten kann eine zeitliche Lücke bei der Patientenversorgung aufklaffen. Dieses therapiefreie Zeitintervall zu überbrücken, bis der Rettungswagen oder der Notarzt eintreffen, ist das Ziel des aus den USA stammenden First Responder-Dienstes. 1994 starteten die Feuerwehren Aschheim, Helfendorf, Ober- und Unterschleißheim ein Pilotprojekt. Der Erfolg gab ihnen Recht. Vom Landkreis München breitete sich die First Responder-Idee deutschlandweit aus.
In Ottobrunn sah man dafür zuerst keine Notwendigkeit, denn man fühlte sich mit Rettungsmitteln durch die Wache der Johanniter-Unfall-Hilfe und den damals noch bei der Werkfeuerwehr EADS-IABG stationierten Rettungswagen gut versorgt. Bis dann zwei Mal kurz hintereinander ein Fahrzeug der Berufsfeuerwehr München von der Feuerwache in Neuperlach nach Ottobrunn fuhr, um als First Responder Erste Hilfe zu leisten. Kommandant Eduard Klas und die Führungskräfte stellten die Fragen, wie gut ist die Versorgung der Mitbürger und gibt es Verbesserungsbedarf? Am Ende mehrerer Gespräche mit der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Kreisbrandinspektion, dem Rettungszweckverband und der Gemeindeverwaltung stand fest: Der Bedarf ist da, die Feuerwehr Ottobrunn handelt!
16 Kameradinnen und Kameraden entschieden sich damals für die zeitaufwändige Ausbildung und investierten 92 Stunden ihrer Freizeit in den Kurs. Weil weitere 19 Ottobrunner Einsatzkräfte durch ihre berufliche Tätigkeit oder durch eine Mitwirkung im Rettungsdienst bereits über eine qualifizierte Ausbildung verfügten, konnte am 9. Juni 2006 der First Responder Dienst aufgenommen werden. Seitdem entscheiden sich jedes Jahr weitere Mitglieder für diese zusätzliche Aufgabe. Mehrmals im Jahr finden Übungen und Fortbildungen für die First Responder-Kräfte statt, um die hohe Qualität der medizinischen Erstversorgung zu gewährleisten.

Die erste Ausbildung von First Respondern erfolgte im Sommer 2006.

Ein 2012 von den First Respondern wiederbelebter Neubiberger Bürger bedankte sich bei seinen Rettern von den Feuerwehren Ottobrunn (rechts) und Unterhaching.
Zwei Fahrzeuge für die Helfer
Von Anfang an entschied man sich für die Zwei-Helfer-Methode. Anfänglich trafen sich diese beim Alarm am Gerätehaus und rückten von dort mit dem Kleinalarmfahrzeug aus. Klar war, dass eine Fahrt zum Gerätehaus, besonders bei dichter Verkehrslage sowie das Warten auf die andere Einsatzkraft den Zeitvorteil zu Nichte machen. Ziel war, die beiden Helfer mit je einem Einsatzfahrzeug auszustatten, so dass diese jederzeit von zu Hause oder vom Arbeitsplatz ohne Zeitverzögerung ausrücken. Denn dieses unverzügliche Reagieren im Notfall, die Ortskenntnis und die kurzen Fahrtstrecken machen die First Responder so wertvoll bei der schnellen ersten medizinischen Hilfe für die betroffenen Mitbürger! Eine Auswertung der Eintreffzeiten für das Jahr 2025 zeigt, dass bei 68 Prozent der Alarme die First Responder bereits vor dem zeitgleich alarmierten Rettungsdienst am Einsatzort eintrafen.
Zum 1.12.2006 ging das erste Fahrzeug in Dienst Dank einer großzügigen Spende der Ottobrunner Firma Götzberger Elektroanlagen GmbH. Deren ehemaliges Firmenfahrzeug, einen zwei Jahre alten Nissan Terrano, bauten Feuerwehrkameraden in ehrenamtlicher Leistung um. Bereits im Mai 2007 stand auch dem 2. Helfer ein Fahrzeug zur Verfügung. Das ehemalige Notarzteinsatzfahrzeug der Berufsfeuerwehr Stralsund, ein fünf Jahre alter Audi A6 Avant konnte der Feuerwehrverein Dank der Beiträge der Fördernden Mitglieder und einer großzügigen Spende der Trurnit Mediengruppe erwerben. 2010 musste dieser nach einem Verkehrsunfall ersetzt werden. Bei Audi fand sich ein A4 Avant als Vorführfahrzeug. Im Jahr 2012 finanzierte der Feuerwehrverein mit Unterstützung von Spendern und einem Zuschuss der Gemeinde den Kauf von zwei Audi Q5. Deren Nachfolge traten 2025 zwei BMW X1 an.

Dieses waren die ersten beiden First Responder-Fahrzeuge in Ottobrunn: Nissan Terrano II 3,0 Baujahr 2004, im Dienst 2006 bis 2012 und Audi A6 2,8 quattro Avant Baujahr 2002, im Dienst 2007 bis 2010.

Zwei Audi Q5 2,0 tdi quattro liefen von 2012 bis 2025 als First Responder-Fahrzeuge. Seitdem werden sie als Kommandowagen weiter genutzt.

Auffällig im Erscheinungsbild sind die beiden seit Jahresanfang 2025 eingesetzten First Responder-Fahrzeuge auf BMW X1 xDrive 2,0 D mit Mild-Hybrid-Technologie.
Ausgestattet sind beide Fahrzeuge mit Notfallrucksack, Kindernotfallrucksack, Notfalltasche Sauerstoff mit Beatmung und Absaugung sowie Hygienematerial für die Einsatzkraft. Hinzu kommen Bolzenschneider, Halligan-Tool, Faltleitkegel, Löschdecke und ein 6 kg Pulverlöscher. Bei der zusätzlichen Beladung gibt es Unterschiede. Das 1. Fahrzeug hat Sperrwerkzeug und eine „Rettungs-Boa“ zur schnellen und achsengerechten Rettung oder Umlagerung von Patienten dabei. Das 2. Fahrzeug bringt das Burnshield-Set zur Brandwundenversorgung und ein COHb-Messgerät mit. Mit diesem Fahrzeug erfolgt auch der Transport des im Gerätehaus gelagerten Cyanokit. Dieses Medikament kann der Notarzt bei starker Rauchgasvergiftung anwenden.
Rasch steigende Einsatzzahlen
Standen für das halbe Jahr 2006 lediglich 31 Einsätze in der Statistik stieg die Zahl sehr rasch an. Bereits 2009 wurde die Marke von 250 Einsätzen überschritten. In den letzten beiden Jahren fielen jeweils 450 Einsätze an. Für den Zeitraum 9.7.2006 bis 8.6.2026 summiert sich die Zahl auf 5956.

Die First Responder zeichnet eine enge Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst aus. In diesem Fall transportierte das First Responder-Fahrzeug die Besatzung des Rettungshubschraubers zum Einsatzort.
Zuverlässig tragen sich die Kameradinnen und Kameraden zur Besetzung der Fahrzeuge in täglich zwei Schichten ein. Keine einzige Schicht ist in den 20 Jahren ausgefallen! Diese zum Einsatzdienst zusätzliche Aufgabe übernehmen die Frauen und Männer ehrenamtlich ohne Bezahlung. Dafür nehmen sie persönliche Einschränkungen in Kauf, weil sie während ihrer Schicht im Ort bleiben müssen und nicht kurz entschlossen mit dem Partner oder der Familie etwas außerhalb von Ottobrunn unternehmen können.
First Responder als Lebensretter! Das beweisen die Zahlen. Im vergangenen Jahr leiteten die Helfer 13-mal eine Wiederbelebung ein. Zu ihren häufigsten Tätigkeiten zählen Untersuchungen, um den Gesundheitszustand des Patienten zu erfassen. Das sind Messen der Sauerstoffsättigung des Blutes, des Blutdrucks, der Pulsfrequenz, des Blutzuckerwertes oder der Körpertemperatur.