1. Frauen am Strahlrohr ist Selbstverständlichkeit in Ottobrunn. Am 1. Juli 1996 trat die erste Frau in die Feuerwehr ein.

2026 feiert die Ottobrunner Feuerwehr einige Jubiläen. Im Lauf des Jahres stellen wir Ihnen diese auf unserer Homepage vor. Heute macht sich darüber niemand mehr Gedanken, früher war es durchaus ein Thema für hitzige Debatten: Dürfen Frauen in die Feuerwehr eintreten? Können Frauen die körperlichen Anstrengungen eines Einsatzes leisten?

Sehr lange Zeit war die Feuerwehr eine reine Männerdomäne obwohl Frauen die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausmachen. Frauen hätten da nichts zu suchen. Denn der Einsatzdienst galt als harte, körperlich anstrengende und gefährliche Arbeit. Das wollte man den Frauen nicht zumuten. In Bayern erlaubte erst 1967 die „Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über das Feuerlöschwesen“ die Aufnahme von Frauen. Allerdings vor allem nur dort, wo sie notgedrungen die Männer vertreten mussten, weil diese berufsbedingt tagsüber nicht vor Ort sein konnten. Dann sollten die Frauen die Einsatzbereitschaft der Wehr aufrecht halten. Keine getrennten Umkleiden und keine sanitären Einrichtungen, die Geräte seien viel zu schwer und der Dienst viel zu anstrengend, lauteten landauf landab die gängigen Argumente.

Diese Vorbehalte und Vorurteile verschwanden bei deutschen Feuerwehren im Lauf der 1980er und 1990er Jahre langsam. Die Erkenntnis, dass Frauen genauso gut wie Männer Feuerwehrdienst leisten können, setzte sich durch. In Ottobrunn kam 1996 die erste Frau in die Wehr. Melanie Plitz erinnert sich daran: „Ich hatte Interesse und stellte den Antrag. Weil mein Bruder bereits bei der Ottobrunner Feuerwehr war und mich dadurch einige seiner Freunde kannten, fiel mir der Einstieg leicht. Und ich blieb nicht lange alleine. Die Kommandanten und Jugendausbilder waren sehr offen für die Aufnahme von jungen Mädchen in die Wehr.“ In manchen Jahrgängen der Ottobrunner Jugendfeuerwehr nahmen gleich viele Mädchen wie Jungen an der Ausbildung teil.

Seit 30 Jahren gehören Frauen ganz selbstverständlich als Einsatzkräfte zur Ottobrunner Feuerwehr. Auf diesem Gruppenfoto von 2018 versammelten sich vor einer Übung die anwesenden Frauen.

Bei einem Alarm besetzen die Einsatzkräfte die Fahrzeuge so wie sie nacheinander ins Gerätehaus kommen. Zufällig bestand bei einem Einsatz im Jahr 2016 die Mannschaft im LF 20 aus Frauen. Lediglich Maschinist und Gruppenführer waren Männer.

Auszeichnung Frauenpower

Eine besondere Auszeichnung erhielt Ottobrunn im Jahr 2018. Die Fachzeitschrift Feuerwehr Magazin fragte zum Jahresende 2017 nach der Anzahl weiblicher Mitglieder in der aktiven Wehr. Ziel war es, die Wehren mit den meisten Frauen und die Wehren mit dem höchsten Frauenanteil in Deutschland zu finden. In der Auswertung von etwa 300 Rückmeldungen lag beim prozentualen Anteil eine Wehr aus ländlicher Region in Niedersachsen vorne mit 50 Prozent. Als das Ergebnis präsentiert wurde, die große Überraschung für die Ottobrunner: von allen beteiligten Wehren hatte sie mit 44 Frauen die höchste Anzahl gemeldet. Dafür erhielten die fünf besten Wehren jeder Kategorie das exklusive Siegel „Frauenpower“.

Diese Auszeichnung hat bei den Medien großes Interesse an der Ottobrunner Feuerwehr und ihrer Frauen ausgelöst. Mehrere Zeitungsredaktionen, Radio- und Fernsehsender schickten ihre Reporter und Kamerateams nach Ottobrunn. Selbst fast zehn Jahre später erinnern sich die Medien noch daran. So interviewte der Radiosender SWR3 im Mai 2026 für ihre Morningshow die Ottobrunnerin Laura Ungar. Dort antwortete sie auf die Frage, warum trotz aller Gleichberechtigung Frauen seltener Feuerwehrdienst leisten: „Wir erleben in der Feuerwehr nicht nur das Schöne. Wir sehen auch das große Leid der Menschen. Seien es ein Großbrand oder ein schwerer Verkehrsunfall. Damit muss man umgehen können. Vielleicht reagieren Frauen da sensibler.“

Die damalige Bayerische Familien-, Arbeits- und Sozialministerin Kerstin Schreyer besuchte 2019 den Tag der offenen Tür im Rahmen des Ottostraßenfestes, um für Frauenpower in der Feuerwehr zu werben. Anschließend an ihr Pressestatement zog sie die Einsatzkleidung an, um an einer Löschvorführung als Angriffstruppfrau teilzunehmen. Dabei bestand die gesamte Löschgruppe aus Frauen.

Das Feuerwehr Magazin verlieh der FF Ottobrunn die Auszeichnung „Frauenpower“, weil sie bei einer Umfrage in 2017 mit damals 44 Frauen die höchste Anzahl gemeldet hatte.

Das Medieninteresse auf die Auszeichnung “Frauenpower“ war sehr groß. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender warben mit ihren Beiträgen für Frauen im Feuerwehrdienst und berichteten dazu über die Erfahrungen in Ottobrunn.

2019 besuchte die damalige Bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer die FF Ottobrunn und warb für Frauen in der Feuerwehr. Sie trägt die Einsatzkleidung, weil sie an einer Löschübung teilnahm. Foto Claus Schunk

Aktuell leisten 31 Frauen Einsatzdienst bei der Ottobrunner Feuerwehr. Das sind 22 Prozent der Einsatzkräfte. In der Jugendfeuerwehr beträgt ihr Anteil 17 Prozent. Kommandant Eduard Klas stellt fest, „dass in der Ausbildung und im Einsatzdienst noch nie ein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht wurde. Jede und jeder kann sich engagieren neben dem regulären Einsatzdienst, wo sie oder er möchte. Sei es als Maschinistin der großen Einsatzfahrzeuge, als Atemschutzgeräteträgerin oder First Responder, als Ausbilderin, als Führungskraft oder als Mitarbeiterin in den vielen Fachwerkwerkstätten und Fachbereichen.“